Alles anders

Posted October 12th, 2009 by marie

So ein Wind heute – fast wie an jenem Tag, an dem wir in Olba ankamen: vor einem ¾ Jahr. Abgesehen vom Wind ist alles anders…

Wir wohnen in einem Haus (Wohnküche mit Ofen und fliessend kaltem Wasser + Schlafzimmer), wir sprechen eine andere Sprache (zum Teil auch untereinander), wir haben einen eigenen Acker (und essen unser selbstangebautes Gemüse), wir kennen mittlerweile viele Leute hier im Dorf (mit einigen von ihnen sind wir befreundet), wir tragen Verantwortung für unsere Tiere (5 Hühner, 1 Hahn und 2 Katzen), wir engagieren uns für das Dorf (Säuberung des Bewässerungssystems, Gestalten eines regelmässigen Kinoabends) und seit über einem Monat sind wir nicht mehr der “Neuzugang” (2 Päarchen sind nach uns gekommen).

Illusionistische Phase:”es ist ein klimatisches und botanisches Paradies”, “die Berge zum Klettern sind direkt vor der Haustür”, “so eine soziale Infrastruktur finden wir nicht noch einmal”

1.Desillusionierung: “die Felsqualität ist Schrott – unkletterbar”, “der Sommer ist einfach zu heiss hier”, “diese Insekten bringen mich noch um”, “das Meer ist zu weit weg”

Überzeugungen wir uns!:”überall wird es Dinge geben, die uns nicht passen”, “die Kletterfelsen von Montanejos sind gar nicht so weit weg und ausserdem gibt es ein paar Boulder hier”, “her mit den Pflegehühnern!”, “was pflanzen wir auf unserem Acker, und was wollen wir überhaupt ernten?”, “lass uns eines von den Katzenkindern behalten”

Wir packen es…: DAS BAYO – ein grosses Stück Land am Fluss mit 2 Ruinen drauf, die uns und unsere Träume beherbergen sollten; am liebsten kaufen, also erst einmal Geld leihen; nach und nach öffnen wir uns auch der Alternative, das Bayo überlassen zu bekommen für 15 bis 20 Jahre; jedoch gibt es viele verschiedene Parzellen – alles andere Besitzer, wir tasten uns langsam vor…wir lassen uns beinahe gern sagen, wieviel Arbeit der Auf-und Ausbau machen wird – kein Strom, kein Wasser, kein Zugang mit dem Auto: wir scheuen die Mühe nicht, wir wollen es! Erst ein Haus zum Wohnen und dann gibt es viele Möglichkeiten: Campingplatz, Laden, Restaurant, sozio-kultureller Raum u.a.

Aber alles läuft hier sehr, sehr langsam. Entschleunigt sind wir schon, jedoch auf monatelanges Stillsitzen und Ausharren sind wir nicht vorbereitet.

2.Desillusionierung: Das Erstaunliche ist, dass wir uns beide zu unterschiedlichen Zeiten und auf gänzlich verschiedene Art und Weise auf Olba eingelassen haben. Es wird langsam unerträglich, das Warten: wir wollen endlich wissen!

Fatal und vollkommen überraschend trifft uns die erste Absage für das Bayo. Dabei befindet sich der Schlüssel zu diesem ersten, grösseren Haus bereits in unserem Besitz. Innerfamiliärer Interessenkonflikt…Ausländerfeindlichkeitsmotivierte Sentimentalität?

Die Besitzer des kleineren, aber besser erhaltenen Hauses scheinen uns recht wohlgesonnen. Wir spazieren gemeinsam zum Bayo, und insgeheim markieren wir schon unsere Landgrenzen im Kopf.

2 Monate später kommt die e-mail mit der Absage – sehr kurz, sehr sachlich formuliert… Das war vor einer Woche…

Komischerweise sagten 2 Freunde von uns, dass sie es schon vorher gewusst hätten, das wir nicht bleiben würden – wir wussten es nicht.

Wahr ist allerdings, dass es für uns niemals etwas anderes als das Bayo hier gegeben hat. Wir haben uns in den paradiesischsten Ort des Paradieses verliebt!

Der Geschmack dessen, was hätte sein können, ist einfach zu süss…, zu köstlich…, zu einmalig, als das wir hier in Olba bleiben und ihn vergessen könnten…

Bye, bye….homealongtheway !

¿Wat’n dat? – Hinweis

Posted March 26th, 2009 by mirko

Hier mal ein kleiner Hinweis, da immernoch niemand erraten hat, was das hier ist:  In der Mitte ist Platz für was grosses grünes …

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Gallinas autoctonas

Posted March 19th, 2009 by mirko

Gallinas autoctonas

Seit 2 Tagen sind wir nun Hühnerhalter, der ortsansässige Veterinario (kurz El Veti) hat uns 5 seiner Hühner geliehen – leider nicht nur die Hühner sondern auch 2 Hähne dazu, die um 5:30 Uhr anfangen Krakél zu machen … aber trotzdem: Eier direkt dem Huhn unterm Hintern weggenommen sind einfach mal richtig lecker!

Vorsichtig verlaesst das erste Huhn den Gallinero

... und die anderen folgen bald nach.

Und auch die ersten Eier lassen nicht lange auf sich warten.

Gallinas autoctonas

Und so ganz nebenbei hat auch die Obstblüte gerade begonnen …

So ganz nebenbei hat die Obstblüte begonnen

Esparrago silvestre

Posted March 10th, 2009 by mirko

Vom Bayo frisch auf den Tisch – selbstgesuchter, wilder Spargel – hmmm lecker!

Frischer selbstgesuchter Spargel

Frischer selbstgesuchter Spargel

Frischer selbstgesuchter Spargel

Und sonstige wilde Kräuter wie Lavendel und Thymian gibts uffm Bayo auch …

Beim Lavendelsuchen

Nieve

Posted March 7th, 2009 by mirko

Kaum zu glauben, aber auch hier in Olba kann es schneien (so geschehen vorgestern morgen) – liegengeblieben ist aber leider nix …

Olba im Schnee

Alte Bienenkästen im Schnee

Wäscheklammern im Schnee

Mandelblüten im Schnee

La Pedriza – und über uns kreisen die Geier …

Posted March 5th, 2009 by mirko

Nach ca. einer Stunde Fussmarsch erreichen wir die Hütte, in der wir übernachten wollen und müssen feststellen, dass sie leider geschlossen ist. Was also tun an einem so wunderschönen Tag in einem so wunderschönen Nationalpark, in dem zelten aber leider verboten ist – natürlich einen Zeltplatz suchen. Selbstverständlich nicht irgend einen: geschützt vor Blicken und Wind, sonnig, wassernah und gross genug für unser XXL-Zelt … und siehe da, auf der anderen Seite des Tals findet sich tatsächlich so ein perfekter Platz.

Auf dem Weg nach zu unsrer Zeltstelle in Manzanares

Endlich Frühstück !

Unser Lager (mit Marie) in Manzanares

Zumindest am 24.12. geht Maries Weihnachtswunsch für dieses Jahr auch fast in Erfüllung: nackt sein! Leider nur fast, aber in Unterhemd draussen sein ist auch schon fein. In den folgenden Tagen bleibt uns der Sonnenschein erhalten, allerdings sinken die Temperaturen erheblich, nicht zuletzt wegen des eisigen Windes. Da wir das verbot des Feuer machens nicht missachten, wird es ein Weihnachten des frühen Im-Schlafsack-Verschwindens. Dafür sind die Tage angefüllt mit schönster Granit-Wanderei (nicht Kletterei – hmpf) und zu jeglicher Tageszeit kreisenden Geiern, zu denen sich dann nach den Feiertagen auch Hubschrauber gesellen, welche Marie für Spähtrupps, die nach Wildcampern suchen, hält. Sie finden uns allerdings nicht …

"Will nicht aufstehen..."

Geier beherrschen die Felsen in Manzanares

Wir statten der Hütte, die dann doch irgendwann wieder geöffnet ist, einen Besuch ab in der Hoffnung, auf Mirko- und Marie-freundliche Kletterer zu treffen, die uns unbedingt ihre Ausrüstung leihen wollen. Doch weit gefehlt, bis auf die Betreiber und ihre Versorgungseselin ist niemand da. Wir verlieben uns sofort in Laetitia und lauschen gern ihren Sehnsuchtsrufen in der Dämmerung. Zum ersten Mal kommt uns der Gedanke, dass unsere Rucksäcke viel zu schwer für uns sind, ein Esel sie jedoch ohne Probleme tragen könnte. Seitdem verfolgt uns die Idee, uns einen Esel zuzulegen.

Die süsse burrita Laetitia (und Marie)

Momentan aber ist das einzig eselige Maries Geruch, während Mirko es vorzieht, sich im eisigen Bergbach zu waschen …

Nach nur 5 Tagen sind unsere Vorräte aufgebraucht und so müssen wir frühzeitung diesen wunderschönen Ort verlassen.

¿Wat’n dat?

Posted February 24th, 2009 by mirko
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Die ersten drei Personen, die erraten was das hier ist, bekommen eine Postkarte von uns… :-)

Rastlos auf Raststätten

Posted February 21st, 2009 by mirko

Gepackt und gesackt verlassen wir den Zeltplatz am Monte Cucco, laufen ein Stück in Richtung Finale, werden bis zum Bahnhof in Finale Ligure mitgenommen, platzieren uns vor der Piaggio-Fabrik, steigen nach einigen verwirrenden Telefonaten bei einem Rumänen ins Auto, fahren bis zur nächsten Raststätte auf der Autobahn, lassen uns von einem italienischen Fernsehstar einige Kilometer weiter zur Raststätte Andora mitnehmen, wiederholen hier einige tausend Male unsere Frage “Stai andando a Francia?”, bekommen ebenso oft ein “no” oder gar keine Antwort zu hören, freuen uns bedingt über das “Ja, aber erst morgen früh um acht.” eines französischen Lastwagenfahrers, verfluchen den italienischen Fernsehstar, biwakieren unsere erste Nacht auf einer Raststätte, werden glücklicherweise vor 8 Uhr wach, gesellen unsere Rucksäcke zu einer Million TetraPacks Tomatensauce und uns selbst in Christophs gemütliche Fahrerkabine, Mirko legt sich schlafen und erholt sich von der feuchten Nacht, unterdessen reaktiviert Marie ihre Französischkenntnisse, ärgerlicherweise fliegen die berühmten Städtenamen der Cote d’Azur nur so an ihr vorbei – Cannes, Nizza, San Remo – an einer Raste zw. Aix und Marseille trocknen wir unsere nassen Schlafsäcke vor der Kulisse des Ste. Victoire, ein Swimmingpoolhersteller bringt uns durch das mistralige Rhône-Tal vorbei an all den schönen Klettergebieten der Provence bis nach Montpellier, wir lassen uns von einem jungen Marineoffizier in Richtung Narbonne mitnehmen, entscheiden uns spontan mit nach Toulouse zu fahren, steigen für zwei Tage in einem Studentenwohnheim/Hostel ab, waschen uns und unsere Sachen, zahlen erstmalig für unsre Unterkunft, schauen uns eine Ausstellung des Illustratoren Edmund Dulac an, schlendern durch das vorweihnachtliche Toulouse, Marie drängt es in noch wärmere Gefilde, wir halten also wieder den Daumen raus, diesmal an einer Mautbrücke, ein gehetzter Holländer irakischer Abstammung fährt uns über die Pyrenäen, vorbei an Andorra, es dämmert und wir lassen uns 100km vor Barcelona rauswerfen, das Castell de Balsareny wird unser Lager in dieser längsten Nacht des Jahres, keine Lust auf Zelt, dafür Sonnenwendfeuer mit Ablasshandel, fahren mit drei verschieden Autos bis kurz vor Barcelona, verfangen uns im Autobahndreieck, keiner fährt in unsere Richtung oder will uns mitnehmen, nächtigen völlig verzweifelt diesmal im Zelt an der Raststätte “Bellaterra” zwischen zwei Autobahnen, können am nächsten Tag auf eine andere Raststätte umsiedeln, kommen bis zum frühen Abend immernoch nicht aus dem Bannkreis Barcelonas heraus, empfangen dann am 23.12. verfrüht unser Weihnachtsgeschenk in Form von Francis und Natalia, sie fahren nach Westen statt nach Süden, egal, wir sind froh: irgendjemand nimmt uns irgendwohin mit, es geht also in Richtung Madrid, um 1:00 Uhr nachts erreichen wir Manzanares, essen Tapas & trinken Wein, philosophieren über Zufall,  Glück und Schicksal, schlafen weich, warm und wonniglich, wachen auf und es ist Weihnachten, wir beglücken unsere Familien mit einem Anruf und lassen uns auf Francis’ Anraten in den nahegelegenen Naturpark “La Pedriza” fahren – so viel Glück auf einmal: ein äusserst symphatischer kletterfreudiger Madridflüchtiger, der noch bevor wir in sein Auto stiegen uns einlud, bei ihm zu nächtigen, geduldig  unsere Weihnachtseinkäufe und -telefonate abwartete, um uns dann in eine Mischung aus Yosemite und Joshua Tree zu fahren … PUNKT!!!

Unsere erste Nacht auf einer Raststelle - bei Andora

Schlafsäcke trocknen - im Hintergrund der Ste. Victoir

Marie ist ganz entzückt von Edmund Dulac

Weihnachtsmarkt in Toulouse

Die Garonne in Toulouse bei Nacht

Parkhaus in Toulouse

Mas o menos

Spanien empfängt uns sehr frostig

Das Castell de Balsareny im Morgenlicht

Castell de Balsareny

Unsere zweite Nacht auf einer Raststelle - diesmal direkt zwischen zwei Autobahnen - wrrrruuuummmm

Wir tanzen Charleston in Finale

Posted February 10th, 2009 by marie

Finale – ein idealer Ort: es gibt mehrere ausgebaute Terrassen (die Camper vor uns haben mit viel Mühe und Liebe zum Detail Tische, Bänke und sogar eine Arbeitsplatte gebaut & sonstige nützliche Dinge zusammengetragen, die leider zum Teil schon schrottreif sind, so dass wir erstmal einen kleinen Subotnik starten), eine Toilette, Wasser, die Möglichkeit Feuer zu machen & last but not least eine wunderbar bergige, ja felsige und waldige Landschaft die, wenn man schon nicht klettern kann, so doch wenigstens zum wandern einlädt .

Auf dem (noch) Umsonstzeltplatz am Monte Cocco

Marie bastelt unseren Adventskranz

Mirko bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen

Der Monte Cucco im Abendlicht

Betrieben wird vor allem Landwitschaft (mmh, Orangen & Mandarinen und baah, Oliven, die nicht einfach so vom Baum genossen werden sollten, sondern vor Verzehr mindestens 15 Tage in Salzlake weichen müssen) & Tourismus (was den Orten Finalborgo & Finale Ligure einen grossen Supermarkt, 2 Internetcafes, 2 Outdoorläden und so einige Kneipen & Restaurants beschert hat).

In Finalborgo

Also, eine perfekte Campinginfrastruktur, bis auf die Tatsache, dass all’ diese Errungenschaften ca. 10 km vom Monte Cuccoo (an dem der ideale Zeltplatz gelegen ist) entfernt liegen. Das sind 2h zu Fuss bzw. 15 min zu trampen…wenn man denn mitgenommen wird. Das Konzept, dass jemand kein Vehikel besitzt (nicht mal einen Fiat Punto oder eine Vespa), scheint den Italienern fremd zu sein. Nicht so den meisten von uns kennengelernten Ausländern, die oftmals (nicht nur in Italien) diejenigen waren, die uns schmutzige, bepackte und häufig schwarzgekleidete (huah…Räuber, Diebe, Vagabunden) Tunichtgute mitgenommen haben – selbst weitgereist & mit Vorurteilen behaftet. Einer von ihnen heisst José Carlos und kommt aus Montevideo, Uruguay, und hat uns mehrere Male mit seinem Transporter irgendwohin gefahren & uns mit Wein, Artischocken und selbstgemachter Feigenmarmelade beschenkt.

Nun, nach einer Weile haben sich dann auch die ortansässigen Italiener ans Trampen gewöhnt (& haben uns dann häufiger mal mitgenommen), & wir haben uns auch daran gewöhnt, dass keiner anhält (und sind dann öfter mal Bus gefahren).

Es dauert eine ganze Zeit bis wir der in unserer Nähe zeltenden Österreicher gewahr werden: es ist Tobi, der eingefuchste Kletterer und SozPäd, der schon knappe 2 Monate mit seinen 2 jugendlichen Schützlingen in einer Zeltfestung unterhalb der Terrassen wohnt & mittels Kletterei und strengen Regimes seine straffällig gewordenen Jugendlichen auf den rechten Pfad zurückverhilft. Zu weihnachten dürfen sie wieder nach hause nach Voraalberg bevor es dann für 6 Wochen nach Polen zur Trekkingtour geht, und danach wiederum müssen sie 8 Wochen gemeinnützige arbeit in der region leisten. Klingt wie eine wirklich tolle Reha-Massnahme, aber auch eine teuere – undenkbar für Berliner Verhältnisse!

Abgesehen von den Bauarbeitern, die fleissigst den neuen Zeltplatz am Monte Cuccoo fertigstellen (der dann wohl nicht mehr umsonst sein wird) und dem Pizzabäcker Antonio bekommen wir hier nicht allzu viele Menschen zu Gesicht. Nur an den Wochenenden & nur bei gutem Wetter trauen sich ein para zumeist italienische Kletterer hierher. Wir geben unser Bestes mit ihnen Kontakt aufzunehmen, um mal wieder einige Routen klettern zu können, allerdings vergeblich. Keiner ist länger als 2 tage da, oft sind es grosse Gruppen, die selbst nicht genug bekommen können & nur mehr als ungern ihre Ausrüstung verleihen. Am Tag vor unserer Abreise kommen 2 dürre deutsche Sportkletterer an, deren Gurte uns einfach nicht passen wollen…

Das war’s dann also: Finale ohne Klettern; das Meer nur peripher; eine Woche lang sind sämtliche Tiefdruckgebiete sind an uns und unserem Zelt abgeprallt (siehe hier und hier); Feuer getankt bis wer weiss wie lange – wirkommen gern zurück, Finale, verlassen dich aber auch nach 2 ½ Wochen gern…Richtung Frankreich!

Überstanden - jetzt mal wieder aufwärmen

Das Zelt wird zum Raumschiff

Wie kommt man nach Finale Ligure ohne es zu wollen

Posted January 16th, 2009 by marie

Man stelle sich in Cresciano (Tessin) an die verschneite Strasse in Richtung Italien und lasse sich von einem Bauarbeiter bis zur nächsten Autobahnauffahrt mitnehmen. In jedem Fall sollte man sich versichern, dass man tatsächlich VOR der Auffahrt steht und sich nicht bereits auf der Autobahn selbst befindet. Dann sollte einen nach ca. einer halben Stunde ein älterer Herr mitnehmen, der einen nicht wie verabredet bis zur nächsten Raststätte, sondern wieder nur bis zu einer Auffahrt, mitnimmt. An einer Tankstelle abgesetzt, wird einen sogleich ein in Not geratener, britischer Cabriofahrer an seinen “gelben Engel” verweisen, der einen – das Cabrio im Schlepptau – bis kurz hinter die Kantonshauptstadt Bellinzona bringt und wiederum an einer Auffahrt stehen lässt. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass man noch immer nicht an einer Raststätte steht (von der aus es sich wesentlich einfacher trampen lässt, weil man die Leute persönlich ansprechen kann), da diese in der Schweiz dünn gesät sind. Jetzt stehe man ca. 2 h im Schneeregen, die Rucksäcke an einen Zaun gehängt (gar nicht einfach bei je 24 kg), verfluche lautstark das Tessin, friere sich den Arsch ab und lasse sich dann letzendlich von einem/r  italienischen/r  Engel/Hexe1 bis zu einer echten Schweizer Raststätte mitnehemen.

1Diese Dame hat einmal in den Staaten einen Anhalter mitgenommen, der sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwang aus ihrem Auto auszusteigen. Daraufhin verfluchte sie ihn und wünschte sich, dass sein Herz für 37 s aussetzen solle. Einige Tage später fand man ihren Wagen, erzählte ihr, dass der Fahrer damit einen Unfall gehabt hatte, wahrscheinlich auf Grund eines Herzanfalls…Geld und Papiere waren weg, dafür fand sie ein teueres Paar Cowboystiefel und eine Rodeotrophäe in ihrem Wagen.

Dort spreche man den ersten Menschen an, der einem über den Weg läuft, erkläre ihm ca. 10 min lang das Konzept des Trampens, lasse sich dann im kleinsten, vollgepacktesten Auto der Welt bis über die italiensche Grenze bringen und kurz vor Mailand an einer Raststätte absetzen. Vor Ort harre man gute 2 h bei Kälte und Regen aus, freunde sich mit dem marokkanischen Servicepersonal an, von dem man dann auch den entscheidenden Tip erhalten wird, dass ein Bus mit einem Zürcher Kennzeichen  an einer der äusseren Tanksäulen steht. Es ist darauf zu achten, dass sich auf dem Dach des Buses eine Segeljolle befindet und der Fahrer des Wagens ein Schweizer Olympionik auf dem Weg nach Imperia ist. Dann braucht man nur noch einzusteigen, ca. 4 h durch den immer stärker werdenden Regen zu fahren und ihn in Finale zum Klettererzeltplatz zu lotsen…

Fertig! Funktioniert todsicher!