So ein Wind heute – fast wie an jenem Tag, an dem wir in Olba ankamen: vor einem ¾ Jahr. Abgesehen vom Wind ist alles anders…
Wir wohnen in einem Haus (Wohnküche mit Ofen und fliessend kaltem Wasser + Schlafzimmer), wir sprechen eine andere Sprache (zum Teil auch untereinander), wir haben einen eigenen Acker (und essen unser selbstangebautes Gemüse), wir kennen mittlerweile viele Leute hier im Dorf (mit einigen von ihnen sind wir befreundet), wir tragen Verantwortung für unsere Tiere (5 Hühner, 1 Hahn und 2 Katzen), wir engagieren uns für das Dorf (Säuberung des Bewässerungssystems, Gestalten eines regelmässigen Kinoabends) und seit über einem Monat sind wir nicht mehr der “Neuzugang” (2 Päarchen sind nach uns gekommen).
Illusionistische Phase:”es ist ein klimatisches und botanisches Paradies”, “die Berge zum Klettern sind direkt vor der Haustür”, “so eine soziale Infrastruktur finden wir nicht noch einmal”
1.Desillusionierung: “die Felsqualität ist Schrott – unkletterbar”, “der Sommer ist einfach zu heiss hier”, “diese Insekten bringen mich noch um”, “das Meer ist zu weit weg”
Überzeugungen wir uns!:”überall wird es Dinge geben, die uns nicht passen”, “die Kletterfelsen von Montanejos sind gar nicht so weit weg und ausserdem gibt es ein paar Boulder hier”, “her mit den Pflegehühnern!”, “was pflanzen wir auf unserem Acker, und was wollen wir überhaupt ernten?”, “lass uns eines von den Katzenkindern behalten”
Wir packen es…: DAS BAYO – ein grosses Stück Land am Fluss mit 2 Ruinen drauf, die uns und unsere Träume beherbergen sollten; am liebsten kaufen, also erst einmal Geld leihen; nach und nach öffnen wir uns auch der Alternative, das Bayo überlassen zu bekommen für 15 bis 20 Jahre; jedoch gibt es viele verschiedene Parzellen – alles andere Besitzer, wir tasten uns langsam vor…wir lassen uns beinahe gern sagen, wieviel Arbeit der Auf-und Ausbau machen wird – kein Strom, kein Wasser, kein Zugang mit dem Auto: wir scheuen die Mühe nicht, wir wollen es! Erst ein Haus zum Wohnen und dann gibt es viele Möglichkeiten: Campingplatz, Laden, Restaurant, sozio-kultureller Raum u.a.
Aber alles läuft hier sehr, sehr langsam. Entschleunigt sind wir schon, jedoch auf monatelanges Stillsitzen und Ausharren sind wir nicht vorbereitet.
2.Desillusionierung: Das Erstaunliche ist, dass wir uns beide zu unterschiedlichen Zeiten und auf gänzlich verschiedene Art und Weise auf Olba eingelassen haben. Es wird langsam unerträglich, das Warten: wir wollen endlich wissen!
Fatal und vollkommen überraschend trifft uns die erste Absage für das Bayo. Dabei befindet sich der Schlüssel zu diesem ersten, grösseren Haus bereits in unserem Besitz. Innerfamiliärer Interessenkonflikt…Ausländerfeindlichkeitsmotivierte Sentimentalität?
Die Besitzer des kleineren, aber besser erhaltenen Hauses scheinen uns recht wohlgesonnen. Wir spazieren gemeinsam zum Bayo, und insgeheim markieren wir schon unsere Landgrenzen im Kopf.
2 Monate später kommt die e-mail mit der Absage – sehr kurz, sehr sachlich formuliert… Das war vor einer Woche…
Komischerweise sagten 2 Freunde von uns, dass sie es schon vorher gewusst hätten, das wir nicht bleiben würden – wir wussten es nicht.
Wahr ist allerdings, dass es für uns niemals etwas anderes als das Bayo hier gegeben hat. Wir haben uns in den paradiesischsten Ort des Paradieses verliebt!
Der Geschmack dessen, was hätte sein können, ist einfach zu süss…, zu köstlich…, zu einmalig, als das wir hier in Olba bleiben und ihn vergessen könnten…
Bye, bye….homealongtheway !

