Neue Wege zum Jahreswechsel

Posted Januar 11th, 2012 by mirko

Weihnachten und Neujahr verbrachten wir zusammen mit Nicky und Anika bei gar nicht winterlichem Wetter in Olba. Wir haben die beiden nicht nur zu harter körperlicher Arbeit motivieren können, sondern auch zum Schreiben eines Gastbeitrags über ihren Urlaub:

Los Lucas – Bayo in 10 min
Unsere Hauptmission war der Brückenschlag über den Rio Mijares, um von Los Lucas aus trockenen Fußes zum Bayo zu kommen. Eine Holzbrücke soll es sein, die bei Hochwasser wegtreiben und dann später wieder „eingeholt“ werden kann. Sechs stattliche Kiefern haben wir gefällt und je drei Stämme nebeneinander als zwei Etappen über den Fluss gelegt. Als Auflagefläche in der Mitte des Flusses dient ein riesiger Stein, in den noch ein Stufe geschlagen werden muss. Auf der rechten Flussseite haben wir für die Brückenauflage einen Betonträger in den Boden eingegraben und ein kleines Kiesbett bereitet um eine trockene gerade Auflage zu schaffen. Der linke Brückenkopf liegt ebenfalls auf einem großen Stein, der leider noch nicht die richtige Passform hat. Aber – und wir sind gespannt, ob das klappt – der störende Teil des Steines wird mit Bohrlöchern umrandet und soll dann mit roher Gewalt abgesprengt werden. Hier überlassen wir Mirko noch eine schöne Fleißarbeit für 2012.
Eigentlich wollten wir die Baumstämme direkt miteinander verschrauben, damit sie weniger schwingen und beim Hochwasser nicht einzeln wegtreiben. Wir haben aber recht schnell gemerkt, dass das keine gute Idee ist ( 1. Wie bohrt man das? 2. Wer kann das dann noch anheben?). Insofern sollen jetzt Manschetten um die Baumstämme geklemmt werden, die bei Bedarf abgenommen werden können. Mal sehen ob das so klappt.

Nachdem man den Fluss überquert hat, ist man leider noch nicht am Bayo, sondern muss noch einen Berghang hinaufkraxeln. Den nahmen wir uns als nächstes vor. Mit Hacke, Spaten, Händen und Füßen haben wir einige Kubikmeter Erde und Steine bewegt und einen schön gestuften Wanderweg gebaut. Die Äste der gefällten Kiefern konnten wir gleich zur Hangabstützung verwenden. Das nächste Mal, wenn wir einen Bergweg dieser Art entlanggehen, werden wir die harte Arbeit dahinter sicher mehr zu würdigen wissen als bisher.

Vale la peña: Das Bayo liegt nun in 10 min-Fußmarsch-Entfernung zur Weltmetropole Los Lucas.

 

Casucho +7
Neue aber nicht unbedingt kürzere Wege wollten wir auch am Casucho bauen. Nickys Ziel war es, endlich eine Route in der Felsengasse zu eröffnen, und zwar eine die er auch hochkommt. Gleich am ersten Bohrtag fassten wir dort eine mögliche Linie ins Auge, bohrten einen provisorischen Stand – und hängten schon mal ein Seil ein. Von Nickys letztem Besuch hier waren aber noch einige Projekte um den Bergfreundeturm herum offen geblieben, die wir zuerst angingen. Einige waren schon komplett fertig und warteten nur noch auf die Erstbegehung, andere waren zumindest schon geputzt und markiert – mussten also nur noch mit Löchern und Bolts versehen werden.
All die Tage fehlte uns das hängengelassene Seil im Felsengassenprojekt bei den anderen Arbeiten und mahnte uns somit, sich seiner anzunehmen.
Nach und nach bekam der Bergfreundeturm drei neue Wege. Mit dem Kurt-Albert-Gedächtnisweg verwirklicht sich dort eine alte Linienidee in sehr schönem Fels und mit tollen Kantenbewegungen – die Mirko erstbegeht.
Für Anika waren recht viele Routen aus den letzten Bohraktionen neu und sie kletterte diese, immer wenn sich etwas Zeit anbot. Bei ihrem Projekt in der Horzelbub-Talwand stellte sie einmal mehr ihre Rotpunkt-Schwäche unter Beweis. Es geht halt einfach nix über Onsight!!! Neben dem Horzelbub entstand mit der Esquina Suiza ein neuer Sektor mit zwei kurzen aber schönen Routen (Tellplatte und El Cantón) und auch der MeteoBlue-Sektor wurde ausgebaut.

Es blieben bald nur noch zwei Tage und somit gab es keine Ausreden mehr für Nicky: also ran an den Felsengassen-Weg. Der obere Teil sah vielversprechend aus, jedoch hängt die untere Hälfte recht stark über und verläuft auch in nur mäßigem Gestein. Aber etwas weiter rechts hinter alten Efeuresten kamen doch noch gute Griffe zum Vorschein. Wenn auch nicht sehr direkt, sondern dem geringsten Widerstand folgend, ging es in einer schönen S-Kurve dem Umlenker entgegen. Am Ende reichte sogar das Ausbouldern beim Einbohren als Vorbereitung für die Erstbegehung: Curva Peligrosa 7a – momentan das Schwerste im Casucho, gelang Nicky gleich im ersten Versuch. Sie ist also doch nicht so schwer und auch schöner geworden als zunächst „gefürchtet“.

Die 7 neuen Routen aus diesem Urlaub sowie weitere Updates gibt es auf der Alto Mijares-Kletterhomepage.

Smilax aspera, Acer monspessulanum & Viburnum tinus

Posted Dezember 14th, 2011 by marie

Wir sind nun also schon mehr als 2 Monate dabei die Acequia, die uns lebenspendendes Wasser auf das Bayo liefern soll, wiederherzustellen.

Das geht so: Man ziehe sich reißfeste, derbe Klamotten an und gute Arbeitshandschuhe. Man schwinge in regelmäßigen Abständen die Motorsäge, die Gartenschere (wahlweise mit langen oder kurzen Griffen) und die Sichel, um kleinen Bäumen, großen Büschen und haufenweise stachligen Kletterpflanzen zu Leibe zu rücken. Sodann geht es weiter damit, mit Hacke, Spaten und Schaufel der teilweise 50 cm dicken Blätter-, Erd- und Lehmschicht den Garaus zu machen und dabei selbstverständlich die stetige Neigung der Acequia immer im Blick zu behalten. Zwischendurch betätigt man sich noch als Gewichtheber, nämlich wenn es gilt heruntergefallene Steinmassen aus der Acequia zu bewegen, sei es nun mit  Hand und Fuss oder per Hebel.

Damit wir nun also nicht Tag um Tag allein vor dieser Aufgabe stehen, haben wir uns tatkräftige Helfer gesucht. Im Oktober waren Julia und Pia da, später dann Thomas und Nicky, und beinahe jeden Samstag noch die stärksten und geschicktesten Olbianer, die wir zum Subotnik gebeten haben. Somit können wir mit Stolz verkünden, dass auf dem ersten Drittel der Strecke das Wasser bereits fließt: ohne sich zu stauen oder auszubrechen ! Ein weiterer Etappensieg ist, dass wir schon über zwei Drittel der Acequia „gesichtet“, d.h. von Vegetation und Steinen befreit haben.

Das waren die guten Nachrichten – nun die weniger guten…

Ein riesengroßer Fels versperrt auf ca. der halben Strecke dem Wasser den Weg. Das hat er wohl schon immer getan, nur früher floss das Wasser unter dem Fels hindurch. Jetzt ist der “Tunnel” durch mehrere hereingefallene Steine blockiert. Nach mehreren Gesprächen mit verschiedenen mehr oder weniger selbsternannten Fachleuten, haben wir zunächst einen besonders gefährlich aussehenden dieser Steine im Inneren des “Tunnels” mit einer Stein-Beton-Mauer abgestützt und warten nun darauf,  eines langen Metallhebels habhaft zu werden, um die anderen Steine  mehr oder weniger gefahrlos in Bewegung zu versetzen, in der Hoffnung sie daraufhin herausholen zu können. Die Arbeit ist nicht ganz ungefährlich und wird mit Sicherheit noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ein weiteres Problem ist, dass zu unseren Subotniks nicht mehr viele bis gar keine Helfer mehr kommen, so dass sich unser Vorwärtskommen verzögert. Um dem entgegenzuwirken, sind wir seit einer Woche WWOOF – Anbieter, die nicht nur Leute willkommen heißen, die unseren Acker auf ökologische Weise mit bewirtschaften wollen, sondern auch Willens sind mit uns zusammen die Acequia zu beackern. Bisher gab es noch keine Anfragen…

Kommen wir noch zu ein paar Zahlen für Interessierte:

Das wiederherzustellende Stück Acequia ist 850m lang. Auf den ersten 260m fließt bereits das Wasser. Die bisher von allen Helfenden investierten Stundenzahl beträgt 270.

Fühlt euch angesprochen, vorbeizukommen, mögliche WWOOFer vorbeizuschicken und uns gedanklich und durch aufmunternde Briefe und Mails zu unterstützen.

Danke !

Der Krokus kroküßt die Haselmaus…

Posted November 6th, 2011 by marie

Es ist Erntezeit für den Herbstkrokus – auch Safran genannt – , der auch in unseren Gefilden wächst. Natürlich sollte er vorher angebaut werden…

Er ist sehr pflegeleicht: Einmal gepflanzt, braucht er nicht gewässert oder gejätet zu werden. Er versteckt sich beinahe das ganze Jahr unter der Erde und dann, Ende Oktober zeigen sich die hübschen fliederfarbenen Blüten, die man dann nur noch zu pflücken braucht. Ausschließlich die 3 roten Stempelfäden werden als Gewürz genutzt, d.h. sie werden in stundenlanger Handarbeit entfernt. Na dann, kann es ja morgen gleich Paella geben !

Von Luftschlössern und Hängebrücken…

Posted Oktober 27th, 2011 by marie

Eine unserer ersten Ideen, noch bevor wir Landeigentümer wurden, war es eine Seilbahn zum Bayo zu bauen, um Material zu transportieren. Nach dem Pistadebakel, sind wir nun vor kurzem zu dieser Idee zurückgekehrt und haben sie noch ein wenig erweitert: Wie wäre es denn mit einer Fußgänger-Hängebrücke?

Sind wir jetzt völlig verrückt geworden oder ist das eine realistische Alternative? Wir wissen es nicht, sind aber dabei es herauszufinden…

Wer kann helfen? Habt ihr Ideen, einen Abschluss als Bauingenieur, sitzt ihr in einer europäischen Fondvergabestelle für rurale Entwicklung oder habt ihr einfach nur Zementsäcke und Stahlseile übrig?

Wir freuen uns über Anregungen, Sympathiebekundungen und noch verrücktere Vorschläge !

Auf und Ab

Posted Oktober 10th, 2011 by marie

Nun endlich haben wir angefangen uns durch den Urwald zu schlagen, um so schnell wie möglich Baumaterial zu unserem Häuschen bringen zu können. Es soll eine Schotterpiste werden, die möglichst ohne viel bergauf und bergab, Autos und auch kleineren LKWs den Zugang zum Bayo ermöglichen soll. Zunächst beschließen wir einen schmalen Weg durchs Dickicht zu schneiden, um zu schauen, ob und wo es möglich wäre. An 5 Tagen sägen, hacken und schneiden wir einen Pfad durchs Gebüsch. Da stoßen wir dann schon auf erste Hindernisse, und damit sind nicht nur Bäume, Felsbrocken und zu schmale Terrassen gemeint.

 

Eine der Terrassen gehört Antonio Izquierdo Igual, der ein Sommer-Bewohner Olbas ist, und zufällig gerade auch im Dorf weilt. Die meisten Landbesitzer, die wir fragen wollen, sind nicht so leicht auffindbar. Unser erstes Gespräch verläuft nicht unfreundlich, wenn auch zunächst ergebnislos. Wir bitten ihn um das Wegerecht, er will sich zunächst genauer erkundigen. Er bietet uns das Stückchen Land aber sofort zum Kauf an, und zwar für 3000 €. Wir haben sofort ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Ein Stück Land, dass laut gängiger Preise nur kaum 200 € wert ist, kann er uns doch nicht ernsthaft zu diesem Preis anbieten ! Und: Denkt er überhaupt daran, uns Wegerecht zu gewähren?

Wir beschließen, ihm noch ein wenig mehr Zeit zu geben, damit er sich zum Thema des Wegerechts erkundigen kann, ziehen selbst Erkundigungen ein und suchen parallel eine alternative Route für unsere Pista, die wir auch finden. Dafür müssen wir eine Terrasse weiter nach oben, was natürlich Schwierigkeiten mit sich bringt. Je mehr Höhenunterschied es gibt, desto sorgfältiger müssen wir die Pista befestigen, und, in diesem konkreten Fall gilt es auch noch mehrere große Steine zu beseitigen.

Die Absage von Antonio kommt brüsk, jedoch nicht unerwartet. Was uns im Moment mehr Sorgen macht, ist der Kostenvoranschlag des Baggerfahrers Tano, dessen Hilfe wir beim Bau de Pista benötigen. Nach heftigem Zähneknirschen finden wir uns auch damit ab.

Nachdem wir die Genehmigung vom Forstamt eingeholt haben, und unser Antrag auf die Pista beim Aragonesischen Umweltamt läuft, bleibt uns nur noch, einen letzten Landbesitzer zu kontaktieren bevor es los gehen kann. Der Name dieses Mannes ist uns vertraut, jedoch verbinden wir keine angenehmen Erinnerungen mit ihm. Er gehört zu der Familie, die uns vor ca. 1 Jahr die endgültige Absage für das andere Haus auf dem Bayo gegeben hatte. (siehe Alles Anders) Wir wollen es bestmöglich anstellen und fragen einen Freund, der den Besagten kennt, ob er nicht für uns mit ihm verhandeln könnte. Er willigt ein, und schon bald haben wir unsere Antwort: Er lässt uns über sein Land passieren, allerdings nur, um Material zu unserem Haus zu bringen, d.h. nach Ende der Bauzeit, darf die Pista nicht mehr benutzt werden und soll wieder verwildern…

Da stehen wir nun da wie 2 begossene Pudel: keine Ahnung, wie wir sein Land nun auch noch umgehen können, und die Variante einer vorübergehenden Pista steht vollkommen außer Frage, da wir unser Geld nicht sehr locker zu sitzen haben.

Was können wir also erst einmal anderes tun als die Scheuklappen aufzusetzen, und uns einer weiteren wichtigen Angelegenheit zu widmen: der Acequia. Denn Wasser brauchen wir in jedem Fall auf dem Bayo.

 

 

Unabhängigkeit erkauft

Posted September 16th, 2011 by marie

Unser 2 ½ jähriger Selbstversuch ohne Auto in einem beinahe vom öffentlichen Verkehr abgeschnittenen Tal zu wohnen, verlief bisher eigentlich recht erfolgreich. Wir haben in dieser Zeit sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft hier in Olba kennengelernt, jedoch auch große Flexibilität und Geduld lernen müssen. Ebenfalls versuchten wir das Model des Carsharing, was allerdings aufgrund sehr unterschiedlicher Vorstellungen über Rechte und Verpflichtungen der Beteiligten nicht funktioniert hat.

So sind wir also vor allem wegen des bevorstehenden Bauvorhabens zu der Überzeugung gelangt, uns unsere Unabhängigkeit in Form eines Autos zu erkaufen.

Gestern, nach langwierigen Suchoperationen, fanden wir dann endlich unseren Renault Kangoo 1.9D – ein Hochdachkombi, der viel Stauraum bietet und genug Zug hat, um Berg und Zementsäcke gleichermaßen zu meistern.

Auf das er uns lange gute Dienste leistet!

Stihlecht … wie durch Butter

Posted September 10th, 2011 by marie

Um so richtig anfangen zu können, uns durch den Dschungel zu schneiden, brauchen wir so einiges an Gerätschaften. Leider tun es nicht immer nur Gartenschere, Sichel und Handsäge. So beschließen wir also nach langem Überlegen und Abwägen eine Motorsäge und einen Freischneider zu kaufen, die uns auch auf längere Sicht nützlich sein werden, wie wir hier im Tal schon gemerkt haben. Bald kommt der Winter, wo es gilt Holz zum Heizen zu besorgen – ohne Motorsäge müssten wir teures Holz kaufen. Einen Freischneider braucht man hier eigentlich ständig – allein schon, um alle Wege und Schotterpisten zum Haus und zu den Äckern von Kräutern und Sträuchern freizuhalten. Auf dem Weg zum Bayo wird er sicherlich, abgesehen von derber Kleidung und dicken Arbeitshandschuhen, unser treuster Begleiter werden im Kampf gegen die Brombeergebüsche…

Paten gesucht

Posted September 6th, 2011 by marie

Unser/e Baby/Bayo/Ruine ist so zwischen 300 und 400 Jahre alt und es gibt über sie eine etwas mystische Geschichte.

Vor ca. 130 Jahren hatte es in Olba und Umgebung wochenlange Regenfälle gegeben. Das Bayo war zu dieser Zeit ein eigenständiges florierendes Viertel mit 7 Häusern etwa 50 m über dem Fluss. Aufgrund der Wassermassen gab es einen beträchtlichen Erdrutsch, bei dem alle Häuser des Viertels zusammenfielen, bis auf eines, dass auf einer großen Steinplatte gestanden hatte und auf dieser einfach „heruntergesurft“ ist. Heutzutage steht das Haus ca. 15 m über dem Fluss auf einem kleinen Plateau und ist seither etwas schief.

Man kann die Geschichte glauben oder nicht, in jedem Fall sind dieses Haus und dieses Stückchen Land etwas Besonderes.

Eine Zufahrt, Strom und Wasser gibt es noch nicht. Wir können also nicht gleich anfangen, das Haus zu bauen, vorher gilt es eine Schotterpiste durch den Dschungel zu legen und die Acequia (den Bewässerungskanal) instand zusetzen. Das wird viel Arbeit.

Wir sind jedoch fest entschlossen und guter Dinge, dass es machbar ist, das Bayo, dass jetzt mehr als 70 Jahre brach lag, wieder erblühen zu lassen, und mit ihm unsere Ideen, Träume und Wünsche.

Wer Lust hat, bei der Urbarmachung zu helfen, ist herzlich willkommen.

Es ist ein Bayo !!!

Posted August 25th, 2011 by mirko

Am 19.8. 2011 um 13.54 Uhr war es nach ca. 31 Monaten dann endlich soweit. Unser Bayo ward geboren.

Es ist 2065 m² groß und wiegt mehrere tausend Tonnen.

Möge es wachsen und gedeihen !

 

Alles anders

Posted Oktober 12th, 2009 by marie

So ein Wind heute – fast wie an jenem Tag, an dem wir in Olba ankamen: vor einem ¾ Jahr. Abgesehen vom Wind ist alles anders…

Wir wohnen in einem Haus (Wohnküche mit Ofen und fliessend kaltem Wasser + Schlafzimmer), wir sprechen eine andere Sprache (zum Teil auch untereinander), wir haben einen eigenen Acker (und essen unser selbstangebautes Gemüse), wir kennen mittlerweile viele Leute hier im Dorf (mit einigen von ihnen sind wir befreundet), wir tragen Verantwortung für unsere Tiere (5 Hühner, 1 Hahn und 2 Katzen), wir engagieren uns für das Dorf (Säuberung des Bewässerungssystems, Gestalten eines regelmässigen Kinoabends) und seit über einem Monat sind wir nicht mehr der “Neuzugang” (2 Päarchen sind nach uns gekommen).

Illusionistische Phase:”es ist ein klimatisches und botanisches Paradies”, “die Berge zum Klettern sind direkt vor der Haustür”, “so eine soziale Infrastruktur finden wir nicht noch einmal”

1.Desillusionierung: “die Felsqualität ist Schrott – unkletterbar”, “der Sommer ist einfach zu heiss hier”, “diese Insekten bringen mich noch um”, “das Meer ist zu weit weg”

Überzeugungen wir uns!:”überall wird es Dinge geben, die uns nicht passen”, “die Kletterfelsen von Montanejos sind gar nicht so weit weg und ausserdem gibt es ein paar Boulder hier”, “her mit den Pflegehühnern!”, “was pflanzen wir auf unserem Acker, und was wollen wir überhaupt ernten?”, “lass uns eines von den Katzenkindern behalten”

Wir packen es…: DAS BAYO – ein grosses Stück Land am Fluss mit 2 Ruinen drauf, die uns und unsere Träume beherbergen sollten; am liebsten kaufen, also erst einmal Geld leihen; nach und nach öffnen wir uns auch der Alternative, das Bayo überlassen zu bekommen für 15 bis 20 Jahre; jedoch gibt es viele verschiedene Parzellen – alles andere Besitzer, wir tasten uns langsam vor…wir lassen uns beinahe gern sagen, wieviel Arbeit der Auf-und Ausbau machen wird – kein Strom, kein Wasser, kein Zugang mit dem Auto: wir scheuen die Mühe nicht, wir wollen es! Erst ein Haus zum Wohnen und dann gibt es viele Möglichkeiten: Campingplatz, Laden, Restaurant, sozio-kultureller Raum u.a.

Aber alles läuft hier sehr, sehr langsam. Entschleunigt sind wir schon, jedoch auf monatelanges Stillsitzen und Ausharren sind wir nicht vorbereitet.

2.Desillusionierung: Das Erstaunliche ist, dass wir uns beide zu unterschiedlichen Zeiten und auf gänzlich verschiedene Art und Weise auf Olba eingelassen haben. Es wird langsam unerträglich, das Warten: wir wollen endlich wissen!

Fatal und vollkommen überraschend trifft uns die erste Absage für das Bayo. Dabei befindet sich der Schlüssel zu diesem ersten, grösseren Haus bereits in unserem Besitz. Innerfamiliärer Interessenkonflikt…Ausländerfeindlichkeitsmotivierte Sentimentalität?

Die Besitzer des kleineren, aber besser erhaltenen Hauses scheinen uns recht wohlgesonnen. Wir spazieren gemeinsam zum Bayo, und insgeheim markieren wir schon unsere Landgrenzen im Kopf.

2 Monate später kommt die e-mail mit der Absage – sehr kurz, sehr sachlich formuliert… Das war vor einer Woche…

Komischerweise sagten 2 Freunde von uns, dass sie es schon vorher gewusst hätten, das wir nicht bleiben würden – wir wussten es nicht.

Wahr ist allerdings, dass es für uns niemals etwas anderes als das Bayo hier gegeben hat. Wir haben uns in den paradiesischsten Ort des Paradieses verliebt!

Der Geschmack dessen, was hätte sein können, ist einfach zu süss…, zu köstlich…, zu einmalig, als das wir hier in Olba bleiben und ihn vergessen könnten…

Bye, bye….homealongtheway !